Gardetreffen in BeratzhausenFasching, Fastnacht, Karneval – diese Zeit hängt ja (wie diese drei Bezeichnungen bereits verraten) mit dem Kirchenjahr zusammen. Seltener ist, dass im kirchlichen Umfeld organisierte Faschingsvereine sich um das närrische Brauchtum kümmern. In Regensburg ist seit Jahrzehnten die vom Kolpingbezirksverband getragene Lusticania aktiv, in Beratzhausen seit 1977 die ebenfalls zu Kolping zählende Prinzengarde. In Köfering basiert das Faschingskomitee auf der Pfarrjugend. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Faschingsgesellschaft Hohenfelser Land, die dort ebenfalls zu Kolping gehört.

Der Ort, vor allem durch den Truppenübungsplatz der US-Armee bekannt und von diesem auch stark geprägt, hatte natürlich auch in früheren Jahren ein vielfältiges Faschingsleben. In mehreren früheren Orten im jetzigen Truppenübungsplatz wurde das Geldbeuteleingraben ausgeübt. Aus Hohenfels selbst ist dieser Brauch ebenfalls bis in die 60er Jahre belegt – stark kritisiert vom damaligen Pfarrer. Ebenso gab es Faschingszüge, und auch von Prinzenpaaren bzw. einem Faschingsverein wird in den späten 60er Jahren berichtet. Natürlich gab es Faschingsbälle der Vereine und Gruppen – auch der Kolpingsfamilie.

Als aber zu Beginn der 90er Jahre – 1991 fiel ja infolge des Golfkrieges fast der gesamte Fasching aus – in Hohenfels das Interesse am Kolpingsball nachließ, entschloss sich die Vorstandschaft für 1994 zu einer anderen Faschingsveranstaltung, einer am Unsinnigen Donnerstag stattfindenden Faschingssitzung unter dem Motto „Hohenfels, wie es singt und lacht“. „Klar, dass da auch eine Garde mit dabei sein sollte“, blickt Dietmar Feuerer, langjähriger Kolpingvorsitzender und amtierender Präsident der Faschingsgesellschaft, zurück. Das war der Ursprung der heutigen Hohenfelser Kolpingsfaschingsaktivitäten.

Premiere der Faschingssitzung war am Unsinnigen Donnerstag 1994, damals der 10. Februar. Da die Hohenfelser Kolpingsfamilie über eine eigene Blaskapelle, einen eigenen Chor und eine Theatergruppe verfügt, war die Basis für die musikalische Umrahmung, für gesangliche Beiträge und szenische Einlagen gegeben. Die Programmpunkte bestritten zu einem guten Teil Kolpingsöhne und -töchter, zum Teil auch Mitglieder anderer Ortsvereine. Knapp 20 Programmpunkte – mehrere Büttenreden, Schnodahüpfl über das Orts- und Vereinsgeschehen, Schuhplattler, eine Indianer-Musikshow, eine Superman-Wahl sowie natürlich der Gardemarsch und der Showtanz der Garde sorgten mit Schunkel- und Stimmungsmusik für viereinhalb Stunden Unterhaltung und die Begründung einer neuen Faschingstradition in Hohenfels im dortigen Gemeindesaal.

Ein Highlight der Faschingssitzung im folgenden Jahr war das Einüben des richtigen Gardetanzschrittes zusammen mit den Gardemädchen, wo auch der damalige Ortspfarrer Konrad Mühlbauer und sein Lupburger Mitbruder Peter Weidmann mitmachten. Ansonsten galt auch diesmal die Mischung aus Büttenreden, Musik- und Gesangseinlagen sowie den Tänzen der Garde.

Sehr bald erfreute sich die Sitzung einer so großen Nachfrage, dass ein zweiter Termin, am Rußigen Freitag, dazukam. Inzwischen sind die Aufführungen am Freitag und Samstag. Zur festen Einrichtung sind unter anderem die Waschweiber geworden, die örtliche Themen und Begebenheiten ausspielen. Dazu gibt es immer wieder auch aus dem Fernsehen bekannte Formate wie „Dinner for one“, „Herzblatt“ usw. Auch der jetzige Pfarrer Udo Klösel wirkt mit – als aktiver Theaterspieler hat er da keinerlei Probleme.

Der Erfolg der Faschingssitzung brachte es auch mit sich, dass sich der närrische Hofstaat erweiterte. 1996 war bei der Sitzung Premiere eine Kindergarde, die einen Gardemarsch zeigte, sowie des Prinzenpaares Tanja I. und Reinhard I., das natürlich auch seinen Prinzenwalzer präsentierte.

Kindergarde, Prinzengarde und Prinzenpaar (Petra I. und Franz I.) gab es auch 1997, dazu ein paar Männer im närrischen Gefolge mit Präsident Dietmar Feuerer an der Spitze.  Erwähnt sei, dass die Hohenfelser Faschingsgruppe bald auch dem Landesverband Ostbayern im Bund Deutscher Karneval (BDK) beitrat und so auch überregional Kontakte knüpfen oder an Treffen teilnehmen konnte.

Natürlich gab es in den nunmehr 22 (!) Jahren auch ein Auf und Ab. Zum einen stand der Gemeindesaal für die Sitzungen nicht mehr zur Verfügung, weshalb diese Veranstaltung einige Jahre ausfiel. Zum anderen konnte nicht jeden Fasching ein Prinzenpaar gefunden werden. Erwähnt sei, dass es 2004 in Hohenfels als Regenten ein Kinderprinzenpaar gab.

Seit dem Fasching 2014 entwickelt sich die „Faschingsgesellschaft Hohenfelser Land“, wie sie inzwischen heißt, kontinuierlich zu einer schlagkräftigen Truppe. An der Spitze steht das Prinzenpaar (heuer Seine Tollität Thomas I. und Ihre Lieblichkeit Sarah I.), begleitet von mehreren Gefolgeburschen, der Prinzengarde sowie eine Kinder- und einer Jugendgarde. Präsident ist Dietmar Feuerer, unterstützt von den Vizepräsidenten David Winkler und Vanessa Dotterweich. Die Truppe hat während des Faschings ca. 17 Auftritte in Hohenfels, den Nachbarorten sowie bei Prinzenpaar- und Gardetreffen. Höhepunkt ist natürlich die Teilnahme und Mitwirkung bei den beiden Faschingssitzungen. Darauf ein dreifach kräftiges „Hohenfels weiß-blau – hurra, helau“!