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Faschingspredigt 2015Es ist schon Tradition und die Gläubigen besuchen am Faschingssonntag mit einer Vorfreude den Gottesdient, voll Erwartung auf die neues Faschingspredigt von Pfarrer Udo Klösel. In diesem Jahr lauschten auch das Prinzenpaar Julia I. und Thomas I. in Beleitung des Gardemädchen Theres Söllner der Faschingspredigt. Sonst sind wenige Kinder der Einladung gefolgt, am Faschingssonntag als Maschkera am Gottesdienst teilzunehmen. Am Ende der Messfeier gab es für alle eine süße Stärkung.

Faschingspredigt

(von Pfarrer Udo Klösel)

Ihr Schwestern und ihr Brüder hier,
gestattet es auch heuer mir,
daß heut´ am Faschingswochenende
ich mich in Versen an euch wende,
und daß die Predigt als Gedicht
ich heute wieder an euch richt´!
Denn was gereimt, was man belacht,
was uns in Versform schmunzelnd macht
- das bleibt im Kopf, das geht ins Herz
- vor allem, wenn es nicht nur Scherz,
wenn´s nicht erdichtet und erdacht,
nicht sinnlos in den Reim gebracht,
sondern - was man zu leicht vergißt! -
die ungereimte Wahrheit ist!

Jedoch an erster Stelle steht
- worum es hier ja immer geht -
die Frohe Botschaft uns´res Herrn,
durch die wir seine Weisung hör´n,
in Gottes Licht die Wahrheit seh´n
und so auf seinen Wegen geh´n.

Von Aussatz taten g´rade eben
die beiden Bibelstellen reden;
die erste aus Levitikus,
die legte fest: Ein jeder muß
in Zukunft abgesondert sein,
die ander´n warnen, „Unrein!" schrei´n,
bei dem an Kopf, Fuß oder Hand
man diese schlimme Krankheit fand.
Die Angst allein Grund dafür war,
war Lepra einst doch unheilbar.
Und so blieb nur, Kontakt zu meiden
mit denen, die an Aussatz leiden.
Man grenzt von ihnen strikt sich ab,
weil´s damals keine Heilung gab.
Um Ansteckungen zu vermeiden,
verweist man die, die drunter leiden,
aus der Gesellschaft, aus dem Leben,
- macht sie zu „Aussätzigen" eben!
Ja, doppeldeutig ist dies Wort,
denn diese Krankheit setzt sich fort,
bestimmt des Kranken ganzes Leben
und niemand kann ihm Hoffnung geben;
er lebt verstoßen, fremd und fern,
gehört nicht mehr zum Volk des Herrn;
es krankt nicht nur der Leib allein,
es frißt sich in die Seele ein:
Ich bin verflucht und darf nicht heim,
werd´ niemals mehr bei Meinen sein;
fern von zuhause, obdachlos
- das ist mein traurig, bitt´res Los!
Ich lebe, doch bin quasi tot
- das ist mein Schicksal, meine Not!

Wer Lepra hatte, war allein,
vor Gott und Menschen nicht mehr rein;
die Angst, zu werden angesteckt,
sich hinter dem Gebot versteckt.
Doch wie so oft, wie´s Sprichwort sagt,
gibt Angst nicht immer guten Rat.
D´rum überwindet Jesus auch
die Angst und jenen alten Brauch;
er öffnet´s Herz und seine Hände,
mit ihm kommt jetzt die große Wende:
Denn als ein Kranker tritt heran,
die Knie beugt und fleht ihn an,
ihn bittet, daß er rein sein mag
- das war wahrhaft ein großer Tag;
denn Jesus heilt ihn, macht ihn rein,
und fortan darf er wieder sein
ein Glied des Volkes, Gottes Kind,
so wie es alle ander´n sind!
Ein Wunder läßt der Herr gescheh´n,
daß alle sehen und versteh´n:
Mit ihm bricht Gottes Reich schon an!
Kein Wunder, daß nicht schweigen kann
- er, der von Herzen sich jetzt freut,
weil er vom Aussatz ist befreit!

Ja, Gottes Reich bricht deshalb an,
weil Jesus überwinden kann
die Angst der Menschen und ihr Leid,
weil jetzt mit ihm beginnt die Zeit,
da Grenzen werden überwunden,
da Vorurteile sind verschwunden,
da es nicht „unrein" gibt, nur „rein",
da alle soll´n „Gemeinschaft" sein,
da Gräben werden überwunden,
da Einheit wird gesucht und g´funden,
da Menschen aufeinander schauen
da gilt: „Mit Christus Brücken bauen!"

Doch sieht es so nur selten aus,
schau´n wir jetzt in die Welt hinaus;
so viel an Feindschaft, Terror, Streit,
so viel an Krieg, Gewalt und Neid;
so viel an Zwietracht, Fanatismus,
an Fremdenhaß und an Rassismus,
an Spott auf Gott und Religion
- wie selten wir´s gesehen schon!

Ach, könnt´ die Welt zusammenfinden,
Gräben und Mauern überwinden,
endlich den Weg des Friedens geh´n
und sich versöhnen und versteh´n,
statt Haß und Streit sich doch vertrauen
und dann: „Mit Christus Brücken bauen"!