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FaschingspredigtIhr lieben Schwestern und ihr Brüder,
versuch ich´s halt auch heuer wieder,
die Faschingspredigt euch zu dichten
und Reime heut´ an euch zu richten
- nachdem ja jüngst (wer hätt´s gedacht
und nicht darüber mords gelacht!)
doch hat - ich sag´s ganz unumwunden -
„Weltuntergang“ nicht stattgefunden;
nachdem die Welt noch immer steht
und sich noch um sich selber dreht.

 

Ja, rund geht´s immer noch auf ihr,
und nirgends geht´s so zu wie hier
- d´rum gibt´s auch heuer wieder Sachen,
man weiß nicht, soll man d´rüber lachen,
obwohl´s ja oft zum Weinen wär´;
und manchmal ist es auch nicht schwer,
den Kopf zu schütteln und zu fragen:
Von wem ist diese Welt getragen,
daß es der Mensch noch immer nicht
geschafft, daß sie zusammenbricht,
und nicht am Mensch zugrunde geht,
auch wenn sie oft am Abgrund steht?

 

Natürlich geht an diesem Ort
das Augenmerk auf Gottes Wort,
denn dieses ist´s, was trägt und hält
uns alle hier und diese Welt;
und dieses Wort ist uns gegeben
für uns und aller Menschen Leben.
Es war der Mann aus Nazaret,
der einst am See Gennesaret
den Menschen kündete dies Wort,
und wollte, daß an jedem Ort,
zu aller Zeit, in aller Welt
es werd´ den Menschen vorgestellt.
D´rum rief er dort am Uferstrand
die Männer, die mit ihrer Hand
das Netz auswarfen, Fische fingen,
um sie dann noch Land zu bringen.
Doch blieben ihre Netze leer,
bis nach der Predigt dann der Herr
den Auftrag gab, ganz frei heraus:
„Werft euer Netz noch einmal aus!“
Jetzt war der Fischfang überreich
- ein Bild einst für das Gottesreich!
Und daß dies Reich auch wachsen kann,
da braucht er manchen Fischersmann,
die er zu seinen Jüngern macht,
sein Wort zu künden Tag und Nacht.
Zwei Brüder jeweils, groß und klein
- die sollten Menschenfischer sein:
Der erste ja Andreas hieß,
der Boot und Netz und See verließ;
sein Bruder auch, der Simon Petrus;
die Söhne dann des Zebedäus:
Jakobus und Johannes eben,
die änderten ihr Fischerleben;
sie fingen keine Fische mehr,
weil sie berufen hat der Herr,
nun Menschen für das Gottesreich
zu sammeln, damit überreich
die Gottesherrschaft breche an
und jeder Mensch d´ran glauben kann!
So wurden brave Fischersleute
zu Menschenfischern - und bis heute
beruft der Herr zu allen Zeiten
sich neue Jünger, zu bereiten
den Weg fürs Evangelium,
der manchmal zwar ein wenig krumm,
doch stets das Ziel hat im Visier:
das Gottesreich im Jetzt und Hier!

Ein Menschenfischer für uns alle,
ein guter Hirt in jedem Falle,
der ward gerufen und geweiht,
beschließt die bischofslose Zeit.
Am Tag des heil´gen Nikolaus,
da kam die Frohe Botschaft raus,
die Freude gab uns allen hier:
Ein Hochschullehrer fern in Trier,
wo reift der gute Moselwein,
soll unser Oberhirte sein!

Und Rudolf Voderholzer dann
kam hier bei uns im Bistum an.
In Parsberg hielt er erste Rast
und hat dabei auch nicht verpaßt,
sich selbst als Fischer einzustufen,
der von den Netzen wird gerufen,
wie Sankt Andreas einstens schon,
wie Parsbergs heil´ger Pfarrpatron!

Vor vierzehn Tagen er empfing
nun Mitra und auch Bischofsring,
dazu den Stab fürs Amt des Hirten,
die Frommen wie auch die Verirrten
zu sammeln wie Sankt Wolfgang schon
als Volk des Herrn um Gottes Thron!
So trat der neue Bischof an,
als Theolog´ ein frommer Mann,
ein Seelsorger und guter Christ,
und was das Allerbeste ist:
Er ist auch - „Gott sei Dank“ dafür! -
ein echter Bayer, so wie wir!
Mit uns zusammen, nicht allein
- so sagt er - will er Kirche sein!
Als Brückenbauer will er´s wagen
- wir alle dürfen dankbar sagen:
Als lachend-glaubensfroher Mann
kommt er auch in den Herzen an!
Er soll uns Fischer sein und Hirt,
der uns treu führ´n und leiten wird!

Doch nicht nur in der Kirch´ allein
möcht´ mancher gern ein Fischer sein!
Die Netze werfen aus gar viel
in uns´rer Zeit - jedoch ihr Ziel
ist nicht das Wohl und nicht das Heil,
das ander´n Menschen wird zuteil!
Man fischt nicht so, wie man wohl soll
und schaut nur auf das eig´ne Wohl.
In Medien, Politik und Geld,
in unserm Land, in aller Welt
wirft mancher seine Netzte aus,
um was nur geht zu holen raus!
Man fischt nach Ruhm, nach Geld und Macht
und ist zu allererst bedacht,
wie man kann eig´ne Beute machen
und sich ins eig´ne Fäustchen lachen.

Daneben gibt´s so manches Mal
jedoch auch oft den andern Fall:
Man handelt ganz im guten Sinn,
strebt nicht nach Macht, nach Geld, Gewinn;
- doch fischt man leider nur im Trüben
und hat vergessen ganz zu üben;
bei einem ist das Netz zu klein,
ein zweiter holt es nicht mehr ein,
ein dritter hat eins voller Löcher
- ja, Fischerfehler noch und nöcher
halt schlichtweg bleiben auch nicht aus,
schau´n wir jetzt in die Welt hinaus:

Das Netz, das uns am größten scheint
und gleichermaßen wohl vereint
sowohl die Fischer als die Beute
- wie wohl schon immer so auch heute! -
ist jenes Netz, das Mammon knüpft,
damit auch ja kein Cent durchschlüpft.
Denn schnödes Geld auf alle Fälle
bei vielen steht an erster Stelle!
Finanzimperien, Geldkonzerne
werfen aus gar oft und gerne
ihr Netz ganz weltweit und global,
damit am End´ auf jeden Fall
Profit und Boni optimiert.
Dafür sind and´re deprimiert,
denn zieht der eine Geld heraus,
dann geht´s dem ander´n sicher aus,
und was man als Gewinn markiert,
ein and´rer minus deklariert!