Pilgerwanderreise vom 25. bis zum 31. August 2011Am Donnerstag, 25. August machten sich früh am Morgen 37 Pilgerinnen und Pilger (hauptsächlich aus unserer Pfarrei sowie den Pfarrgemeinden Parsberg und Lupburg) auf den Weg, um in Nordspanien dem bekannten Jakobsweg zu folgen – hin zu seinem Ziel: Santiago de Compostela mit seiner Kathedrale, die den Schrein des heiligen Apostels Jakobus birgt.

 


Am Münchener Flughafen trafen wir dann auf unsere Reiseleiterin vom Bayerischen Pilgerbüro – Frau Elisabeth Graf aus Eichstätt, die in den folgenden Tagen unserer Pilgerreise als profunde Kennerin des Jakobsweges, als äußerst umsichtige Führerin und als das Herz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewann.


Nach zweistündigem Flug nach Madrid und einer weiteren Stunde Flug von Madrid aus kamen wir pünktlich um 13:00 Uhr in Oviedo, am Flughafen der Region Asturien an, wo uns bereits unser Busfahrer Domingo erwartete, der uns auch die nächsten Tage über begleitete.


Nach 1½ Stunden Busfahrt durch die Picos de Europa (eine Bergkette im Norden Spaniens) gelangten wir schließlich zu unserem Hotel in León, und da wir so gut in der Zeit waren, konnten wir nach dem Beziehen der Zimmer gleich noch die herrliche gotische Kathedale mit ihren riesigen Glasfenstern besichtigen. Außerdem gönnten wir uns einen Bummel durch die Altstadt von León.
Am Abend dann hatten wir unsere erste Begegnung mit der spanischen Küche, die für manche von uns sowohl von der Uhrzeit her (Abendessen erst nach 20:30 Uhr) als auch im Bezug auf die kulinarischen Besonderheiten (Fischsuppe mit Muscheln) gewöhnungsbedürftig war!


Der zweite Tag begann mit einem Besuch in der Basilika S. Isidoro mit der Grablege der Könige von León, ein romanisches Bauwerk mit wunderbaren Fresken aus dem Leben Jesu! Dann ging es weiter nach Astorga, wo wir zu einer Besichtigung der römischen Stadtmauern, der Kathedrale sowie des Bischofspalastes aufbrachen (dieser ist wie auch die Sagrada Familia in Barcelona ein Werk des Architekten Antoni Gaudi!); berühmt ist Astorga daneben auch noch für seine Schokolade (auch diese Sehens-würdig- und Köstlichkeit ließen wir nicht aus!).


Anschließend besuchten wir das historische Dörfchen Castrillo de los Polvazares, wo wir dann auch unser Mittagessen in Form eines „windigen“ Picknicks einnahmen („windig“ natürlich nicht wegen Essens (es waren köstliche spanischen Spezialitäten und Weine), sondern wegen des enormen Sturms, der selbst Plastikteller mitsamt Salami zum Fliegen brachte.
Danach stand die erste Wanderung auf dem Programm – auf dem Pass von Rabanal. Von Foncebadón aus marschierten wir – schweigend und unseren Stein im Gepäck – zum Cruz de Ferro, wo alle Teilnehmer nach einer kurzen Andacht ihren Stein beim Eisenkreuz ablegten – für viele ein bewegender Moment. Nach einer kurzen Busfahrt war Gelegenheit zu einer weiteren Wanderung – durch das „Nachtigallental“ nach Molinasecca, wo uns bei der alten Mühle schon Erfrischungen erwarteten (wie beispielsweise „Clara“ – spanische Radler!). Von hier war es dann nicht mehr weit bis Ponferrada, wo wir die zweite Nacht verbrachten.


Den dritten Tag begannen wir mit einem Rundgang durch Ponferrada mit seiner Tempelritterburg, der Kathedrale und der Plaza Mayor. Danach ging es weiter nach Villafranca del Bierzo mit seiner romanischen Jakobuskirche und deren Besonderheit: der Puerta del Perdon (der Pforte der Vergebung, durch die zu früheren Zeiten Jakobuspilger getragen wurden, die dem Tode nahe waren und Santiago nicht mehr erreichten). Nach einer Andacht ging es dem Höhepunkt des Tages entgegen – der Wanderung auf den O Cebreiro. Von Herrerias aus führt der Jakobsweg auf die Passhöhe von 1.300 Meter, was für die Fußpilger ca. 8/9 Kilometer Fußmarsch bedeutete, bei denen ca. 700 Höhemeter überwunden werden mussten – ein anstrengendes und schweißtreibendes Unterfangen, für das die Schnellsten der Gruppe (dreimal dürfen Sie raten, wer dabei war!) knapp 2½ - 3 Stunden brauchten; jedoch wurden wir durch das wunderbare Wetter und die wunderbare Aussicht belohnt, und oben dann in der urigen Keltensiedlung mit einer kühlen Clara und einer Caldo Galego (einer landestypischen galizischen Kohlsuppe).


In der Marienkirche auf dem Cebreiro feierten wir dann auch die Sonntag-vorabendmesse (die wir etwas vorverlegen mussten, weil danach noch eine Trauung stattfinden sollte – natürlich konnten wir nicht weiterfahren, ehe zuvor die Braut gesehen zu haben!). Die dritte Nacht verbrachten wir dann in Sarria – beschallt von einer weiteren Hochzeitsfeier!


Das erste Ziel war am vierten Tag (Sonntag, 28.08.) Portomarin, wo wir die Wehrkirche St. Nikola besuchten und auch – da der Stausee, in dem der frühere Ort versunken ist, abgelassen war – die Reste der alten Häuser und der ehemaligen, mittelalterlichen Brücke sehen konnten.


Die Tageswanderung führte uns dann einige Kilometer durch die Eukalyptuswälder nahe der Stadt Melide. Hier kehrten wir dann auch zum Mittagessen ein – und beinahe alle Pilger hatten den Mut, die Spezialität des Ortes zu probieren: Pulpo (Tintenfisch)! Am späten Nachmittag dann erreichten wir den Monte de Gozo (den Berg der Freude), von dem aus man zum ersten Mal die Türme der Kathedrale von Santiago sehen kann. Hier stimmten wir das „Großer Gott“ an und kürten nach altem Brauch auch unsere Pilgerkönigin (der/die erste, der/die die Kathedrale erblickt!).


In Santiago de Compostela angekommen, statteten wir gleich der Kathedrale mit dem Apostelgrab und der großen Jakobusfigur im Hochaltar einen ersten Besuch ab.


Danach bezogen wir unser Quartier für die letzten drei Nächte, das Hotel San Martin Pinario (ein umgebauter Teil des alten großen Priesterseminars). Nach dem Abendessen konnten wir – da unser Hotel gleich neben der Kathedrale lag – noch jeden Abend durch die Altstadt bummeln; und so mancher von uns lauschte Abend für Abend der spanischen Folkloremusik, die in den Arkaden am Vorplatz der Kathedrale erklang.


Den Montag (29.08.) verbrachten wir ganz in Santiago de Compostela; zunächst erhielten wir eine Führung durch die Kathedrale und durch die Altstadt; um 12:00 nahmen wir an der Pilgermesse; den Rest des Tages hatte man zur freien Verfügung – und so mancher nutzte die Stunden, um die historische Altstadt auf eigene Faust zu erkunden. Natürlich war man auch kulinarisch auf sich allein gestellt – und wiederum ließ man es sich nicht nehmen, landestypische Spezialitäten, wie etwa die Jakobsmuschel („Vieira“) oder die „Tarta di Santiago“ zu kosten!


Am vorletzten Tag brachen wir auf Richtung Atlantik und gelangten zunächst nach Noia; von dort aus fuhren wir die Küste entlang – zum Ende der Welt, zum Kap Finisterre (es war dies der erste Tag der Reise, der von Wolken und leichtem Regen getrübt war!). Zurück in Santiago hatte man noch Zeit zur freien Verfügung, und nach dem Abendessen ließen wir den Tag und damit die ganze Pilgerreise in geselliger Runde in einer Bodega ausklingen.


Nach dem Frühstück begann unser letzter Tag (Rückreisetag) mit unserem Abschlussgottesdienst in der Pilar-Kapelle der Kathedrale – wiederum in Konzelebration von Pfr. i. R. Anton Vogl und Pfr. Udo Klösel. Danach konnte sich jeder vom Grab des Apostels und von der Jakobsfigur im Hochaltar verabschieden (nach altem Brauch umarmen sie ja die Pilger von hinten!). Auch war noch Zeit, sich in den Markthallen und Geschäften mit landes-typischen Spezialitäten einzudecken. Pünktlich gingen dann unsere Flüge (von Santiago nach Madrid und weiter nach München), sodass wir dann auch pünktlich um 19:00 Uhr am Münchener Flughafen ankamen, wo wir schon vom Busfahrer Ernst und von Sr. Ricarda (Maria) Graf erwartet wurden.


Anstrengende und erlebnisreiche Tage gingen zu Ende – Tage, da wir Pilgerinnen und Pilger den Jakobsweg erleben durften und ans Ziel gelangt sind, hin zum Grab des Apostels Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela; Tage, da wir einander und fremden Menschen begegnen durften – und als Jakobspilger trägt man dabei ja immer den alten Wunsch auf den Lippen: „Buen Camino!“ – „Einen guten Weg!“


Welch ein schöner Wunsch – nicht nur für die Tage einer Pilgerreise, sondern für jeden neuen Tag unseres Weges hier auf Erden!