Vortrag von Monsignore Dr. Paul Mai (Foto: Dietmar Feuerer)Es war kein Platz mehr frei im Pfarrsaal als Pfarrer Udo Klösel den Referenten des Abends Monsignore Dr. Paul Mai zu seinem Vortrag über das Bruderschaftswesen in der Oberpfalz begrüßte.

 

Motiv der Bruderscahften, stellte der Direktor des bischöflichen Zentralarchivs dar, ist vorrangig die wechselseitige Gebetshilfe und der Totendienst. Dabei muss man bedenken, dass damals die Menschen in frühen Jahren starben.

 

Die älteste Bruderschaft war in Regensburg die "Societas und fraternitas des Klosters Emmeram".  In den acht Regensburger Wolfgangsbruderschaften waren Laien die tragenden Elemente. Man unterschied zwischen einer äußeren und einer inneren Mitgliedschaft, die sich sowohl in ihren Rechten als auch der Beitragshöhe unterschieden. Die MItgliedschaft von Frauen konzentrierte sich fast nur auf den äußeren Bereich.

 

Um 1406 entstanden auch vielerorts Priesterbruderschaften, die nicht nur Geistlichen vorbehalten waren. Sie überlebten die Reformation nicht. Martin Luther hielt ihnen moralische Verkommenheit vor.

 

Die Bruderschaften wurden auch durch die Zunftzugehörigekeit bestimmt. Bäckerbruderschaften gab es zum Beispiel in Regensburg und Weiden, eine Kramerbruderschaft in Regensburg, in Schneiderbruderschaft ist in Cham im Jahre 1406 und eine Krämerbruderschaft 1496 nachgewiesen. Weiden besaß auch eine Müllerbruderschaft. Die Kürschnerbruderschaft in Amberg verfügte über eine "Hilfskasse" zugunsten der Gesellen. In Wörth a.d.D. bestand sogar eine Winzerbruderschaft.

 

Von den Armenseelenbruderschaften waren 1916 noch 25 Gemeinschaften aktiv, darunter in Amberg und Mariaort. Die Dreifaltigkeitsbruderschaften gingen auf den Trinitarierorden (Orden der heiligen Dreifaltigkeit, gegründet 1198) zurück. Diese im nahen Wallfahrtsort Eichlberg wirkende Bruderscahft zählte 1991 über 1200 Mitglieder und besaß somit mehr MItglieder als Pfarrangehörige.

 

Die Corpus-Christi-Bruderschaften -ausgehend von Franken- finden sich in Nabburg, Schmidmühlen und Wörth. Unter Gedeon Forster (1616-1675, Erzdekan von Pondorf, Konsistorialrat und Generalvisitator im Bistum Regensburg) wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert 136 Corpus-Christi-Bruderschaften gegründet oder wiederbelebt, die Hälfte davon in der Oberpfalz. 1916 existierten insgesamt noch 164 Bruderschaften, davon 82 in der Oberpfalz.

 

1916 gab es noch 29 Herz-Jesu-Bruderschaften, u.a. in Oberpfraundorf und Beratzhausen. Die 1870 in Aichkirchen bei Hemau gegründete Herz-Jesu-Bruderschaft zählte 1991 285 Mitglieder bei 370 Pfarrangehörigen.

 

Die Verehrung der Gottesmutter war das Motiv der zahlreichen Skapulierbruderschaften (u.a. in Amberg, Hohenfels, Kallmünz und Schwandorf-Kreuzberg). Die Skapulierbruderschaft in Hohenfels gehört zu den beständigsten und erfolgreichsten Gemeinschaften. Hohenfels wurde dadurch das Ziel vieler Bittgänge benachbarter Pfarreien, so dass sogar Angehörige des Franziskanerordens aus Amberg zu Predigten anläßlich des Skapulierfestes nach Hohenfels kamen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Bruderschaft aufgehoben, bestand aber unter der Hand noch weiter. Unter dem Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey erfolgte 1864 ihre Reorganistion und er ließ ein neues Bruderschaftsbuch anlegen. Seit  Pfarrer Ertl ist das Skapulierfest am 16. Juli  das Hauptfest der Pfarrei, zu dem bis heute Wallfahrer aus den Pfarreien Schmidmühlen und Oberpfraundorf kommen.