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Gründung und Geschichte der Skapulierbruderschaft in Hohenfels

In diese Blütezeit des Bruderschaftswesens im Zeitalter von Rekatholisierung und Barock fällt nun auch die Errichtung der Hohenfelser Skapulierbruderschaft, die untrennbar mit dem Namen des damaligen Pfarrers Johann Michael Schnitter verbunden ist. 1669 in Hohenfels geboren und 1693 zum Priester geweiht, wirkte er von 1695 bis zu seinem Tode am 13. Mai 1745 ganze 50 Jahre als Pfarrer von Hohenfels, und erbaute in dieser Zeit von 1716 bis 1721 auch die barocke Pfarrkirche St. Ulrich und von 1721 bis 1725 den barocken Pfarrhof.


Vielfach wurde in der Zeit der Rekatholisierung durch die kirchliche Obrigkeit ja empfohlen und angeregt, Bruderschaften – wo noch nicht vorhanden – einzuführen. Dies bewog nun wohl auch den Hohenfelser Pfarrherrn, am 8. August 1710 bei der oberhirtlichen Behörde um die Lizenz zur Einführung einer Skapulierbruderschaft („Confraternitas Sanctissimi Scapularis“) nachzusuchen. Von Seiten des Bischöflichen Konsistoriums wurde hierauf Dekan Philip Wilhelm Thanner von Regenstauf eingeschaltet, um die Bedingungen hierfür in Hohenfels und Umgebung zu prüfen. Nach anfänglichen Bedenken und Schwierigkeiten – im Zusammenhang mit der de facto bereits bestehenden Skapulierbruderschaft im nahen Kallmünz bzw. mit einer von Dekan Thanner forcierten und angestrebten eucharistischen Bruderschaft – stand dann schließlich gegen Ende des Jahres 1710 einer Einführung der Skapulierbruderschaft in Hohenfels nichts mehr im Weg. Der Dekan von Regenstauf übermittelte in einem Schreiben vom 26. November 1710 hierzu Pfarrer Johann Michael Schnitter die oberhirtliche Erlaubnis. Ausgehend von diesem Datum kann die Hohenfelser Skapulierbruderschaft im Jahre 2010 ihr 300jähriges Jubiläum feiern.


Rasch scheint sie sich damals dann auch entwickelt zu haben – ist doch das wenige Jahre später entstandene größte Deckengemälde der 1716 bis 1721 neu erbauten Pfarrkirche St. Ulrich der Szene der Skapulierübergabe durch die Gottesmutter an den heiligen Simon Stock gewidmet. Unter den Nachfolgern von Dekan Johann Michael Schnitter – Georg Benno Vers (Pfarrer von 1745 bis 1756), Dominikus Vers (1756-1775) und Franz Josef Pimann (1776-1810) – zählte das Titularfest der Skapulierbruderschaft dann schon zu den größten und wichtigsten Festen im ganzen Kirchenjahr. Es kamen zeitweise Franziskaner aus Amberg, um die Predigten zu halten, Beichte zu hören und Gottesdienste zu feiern. Fürs Jahr 1791 ist uns überliefert, dass am Skapulierbruderschaftsfest insgesamt sechs Geistliche „mit dem Kreuz“ (d.h. mit Bittgängen bzw. Wallfahrergruppen) aus den umliegenden Pfarreien Schmidmühlen, Adertshausen, Dietldorf, Parsberg, Lupburg und der Expositur Pfraundorf nach Hohenfels kamen. Zwei Kapuziner aus Burglengenfeld waren von Donnerstag bis Sonntag ab 2 Uhr Nachmittags mit Beichtaushilfe beschäftigt.


In dieser Zeit jedoch, d.h. im ausgehenden 18. Jahrhundert hatten sich auch in Bayern bereits die Aufklärung und ihr Gedankengut bemerkbar gemacht. So suchte man dann gerade in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts von Seiten des Staates, die ausufernde barocke Volksfrömmigkeit (Feiertage, Wallfahrten, Ölberg- und Passionsspiele usw.) immer mehr einzudämmen und zu beschränken – was natürlich auch die in der Barockzeit reichlich entstandenen Bruderschaften betraf.


Dennoch bestand die „Marianische Erzbruderschaft des heiligen Scapuliers in der schönen Pfarrkirche des Markts Hohenfels“ weiter, wie ein so betiteltes Bruderschaftsformular uns bezeugt, das anlässlich einer Aufnahme am 22. Juli 1838 ausgestellt wurde. Allerdings wurde, um sich der Kontrolle des Staates zu entziehen, nach ihrer Aufhebung kein Bruderschaftsbuch mehr geführt. Außerdem wurde der ehemals gewählte Rat der Bruderschaft durch die Kirchenverwaltung ersetzt.


Zu einem erneuten Aufblühen der Bruderschaften kam es dann ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als man von Seiten Roms wie auch durch die Regensburger Bischöfe Valentin von Riedel und Ignatius von Senestréy eine Reorganisation der rund 50 Jahre vom Staat verbotenen alten Bruderschaften anregte bzw. die Gründung neuer Fraternitäten initiierte. So kam für die Hohenfelser Skapulierbruderschaft der Neubeginn im Jahre 1863, als Bischof Ignatius von Senestréy die Bruderschaft neu organisierte und das Bruderschaftsfest wieder zum glanzvollen Hauptfest und zum religiösen Höhepunkt der nachösterlichen Zeit erweckte. Am 19. Juli 1863 wurde so erstmals wieder feierlich das Titularfest der Bruderschaft gefeiert; gleichzeitig wurde auch ein neues Bruderschaftsbuch begonnen, in welches die an jenem Tag in die „Bruderschaft zu Ehren unserer lieben Frau des heiligen Scapuliers“ Aufgenommenen (es waren 86) nun auch wieder eingetragen wurden, und das bis zum heutigen Tag geführt wird – denn 300 Jahre nach ihrer Gründung gibt es die Skapulierbruderschaft noch immer, wird das Skapulierfest noch immer gefeiert. Es sind zwar weniger Aufnahmen zu verzeichnen wie in früheren Jahrzehnten (1868: 127 - 1908: 107 - 1958: 25 - 2008: 7), doch kommen Jahr für Jahr zum Skapulierfest noch immer die Wallfahrer aus Pfraundorf und Schmidmühlen (jeweils eine Gruppe von 30 bis 40 Personen), und auch in der Pfarrei selbst wird das Skapulierbruderschaftsfest noch immer begangen und in Ehren gehalten – mit Festgottesdienst, Aufnahmefeier und Andacht, und seit 1983 in Verbindung mit dem alljährlichen Pfarrfest.


Und noch heute präsentiert sich dem Besucher der Pfarrkirche von Hohenfels auch das 1719 von Johann Adam Letsch geschaffene große Deckengemälde: Unter den Augen der heiligsten Dreifaltigkeit überreicht die Gottesmutter in ihrer himmlischen Glorie dem heiligen Simon Stock gerade das Skapulier – jedoch keines, wie es zum Habit der Ordensleute gehört, sondern ein Laien-Skapulier, welches die Mitglieder der Bruderschaften bei ihrer Aufnahme erhielten/erhalten (heute oft auch durch die Skapuliermedaille ersetzt): zwei aus Stoff geschnittene Vierecke, die durch zwei Schnüre so miteinander verbunden sind, dass jeweils ein Viereck auf der Brust und eines auf dem Rücken getragen werden kann.


Diese Skapulierübergabe ist angesiedelt auf einem Berg – wohl eine Anspielung auf den Berg Karmel im Heiligen Land, auf dem der heilige Simon Stock zwar niemals weilte, auf dem aber der Karmelitenorden und seine Marienfrömmigkeit ihren Ursprung haben. Flankiert wird das Geschehen auf der linken Seite von der großen Heiligen des Karmelitenordens, der heiligen Theresia von Avila, der ein Engel ebenfalls ein kleines Skapulier überbringt, sowie auf der rechten Seite von einem hohlen Baum bzw. Baumstumpf – lebte der heilige Simon Stock der Überlieferung zufolge doch als Einsiedler in einem hohlen Baumstamm (womit möglicherweise auch sein Beiname „Stock“ zusammenhängt). Zu Füßen des ganzen Geschehens findet sich schließlich die damalige Bürgerschaft des Marktes Hohenfels, angeführt von Pfarrer und Dekan Johann Michael Schnitter. Sie nehmen ihre Zuflucht zur Gottesmutter, und sind so gleichsam über dreihundert Jahre hinweg mit den darunter Versammelten im Glauben und in der Liebe zur Gottesmutter bis in unsere Tage verbunden.


Verwendete Quellen:
Bruderschaftsbuch der „Bruderschaft zu Ehren unserer lieben Frau des heiligen Scapuliers“ (handschriftlich), begonnen im Jahre 1863.
Verschiedene handschriftliche, maschinenschriftliche und gedruckte Quellen zur Skapulierbruderschaft aus dem Pfarrarchiv Hohenfels.

Verwendete Literatur:
Bischöfliches Ordinariat Regensburg (Hg.), Matrikel der Diözese Regensburg. Regensburg 1916.
Hausberger, Karl, Geschichte des Bistums Regensburg. Band II: Vom Barock bis zur Gegenwart. Regensburg 1989.
Hausberger, Karl, Streiflichter auf die Geschichte des Bruderschaftswesens unter besonderer Berücksichtigung der Skapulierbruderschaft Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. In: Festschrift zum 300jährigen Jubiläum der Skapulierbruderschaft Sollern, Sollern 2002. S. 4-10.
Schnizer, Helmut, Bruderschaft. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg im Breisgau 2006. Band 2, Sp. 718f.
Vogl, Josef Kirchliches Leben im Zeitalter des Barock in Hohenfels von 1625 bis 1790. Zulassungsarbeit zur Abschluss (Diplom-) Prüfung der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg im Wintersemester 1972/1973, Hohenfels (maschinenschriftlich