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Das Bruderschaftswesen und die Skapulierbruderschaften

Eine Bruderschaft (lateinisch „Confraternitas“) ist eine meist aus Laien bestehende kirchlich anerkannte Vereinigung, deren Mitglieder sich durch freiwillige Werke der Frömmigkeit (z.B. vermehrter Gottesdienstbesuch, besondere Gebete, Bußwerke) oder auch durch sozial-caritative Dienste auszeichne(te)n. Gerade auch dem „Totendienst“ kam in den Bruderschaften eine hohe Bedeutung zu – d.h. einerseits die persönliche Sorge um eine „gute Sterbestunde“ und einen wohl vorbereiteten Tod, andererseits aber eben auch die Sorge der Bruderschaftsmitglieder für ein würdiges Begräbnis des einzelnen Verstorbenen, sowie die Verpflichtung, für die in die Ewigkeit vorausgegangenen Bruderschaftsmitglieder zu beten und ihnen so beim Hinübergehen aus diesem Leben bzw. aus dem Fegefeuer in die ewige Seligkeit beizustehen.


Einen ersten Aufschwung und Höhepunkt hatte das Bruderschaftswesen im späten Mittelalter (14./15. Jahrhundert) erlebt, war doch jene Zeit von einer unglaublichen „Jenseitsangst“ geprägt. Nach einer Zeit des Niedergangs in der Epoche der Reformation erfuhren die Bruderschaften eine Wiederbelebung durch das Konzil von Trient (1545-1563) und die von ihm ausgehende katholische Erneuerungsbewegung. In der Oberpfalz erlebte das Bruderschaftswesen dann gerade nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) im beginnenden Zeitalter des Barock seine reichste Blüte und großartigste Entfaltung. Nach den Jahrzehnten, da weite Teile der Oberpfalz lutherisch bzw. calvinistisch waren, sah man im Zuge der Rekatholisierung gerade in den Bruderschaften auch ein wichtiges Instrument, den katholischen Glauben im Volk wieder zu erneuern und zu vertiefen. Überhaupt entstand in jener Zeit ja eine reiche katholisch-barocke Volksfrömmigkeit, die das kirchliche Leben bis ins 20. Jahrhundert herein geprägt hat und teilweise immer noch prägt.


Diese Bruderschaften nun stellten verschiedenste Motive in den Mittelpunkt ihrer Frömmigkeit – die eucharistische Verehrung (Corporis-Christi-Bruderschaften), die Marienverehrung (Rosenkranz- oder Skapulierbruderschaften), das Seelenheil (Armenseelenbruderschaften, Todesangst-Christi-Bruderschaften), die Bindung an besondere Heilige, die auch Berufs- oder Standespatrone sein konnten (hl. Erzengel Michael, hl. Schutzengel, hl. Joseph, hl. Anna, hl. Sebastian oder hl. Barbara), nicht zu vergessen auch die meist erst im späten 18. bzw. im 19. und noch bis herein ins 20. Jahrhundert entstandenen Bruderschaften, die sich der Herz-Jesu- und Herz-Marien-Verehrung verschrieben hatten.
Die „Matrikel der Diözese Regensburg“ zählten so im Jahre 1916 im ganzen Gebiet des Bistums Regensburg u.a. 134 Corporis-Christi-Bruderschaften, 100 Herz-Mariä-Bruderschaften, 74 Armenseelenbruderschaften, 65 Herz-Jesu-Bruderschaften, 52 Rosenkranzbruderschaften und 48 Skapulierbruderschaften – letztere zumeist gegründet in der zweiten Hälfte des 18. bzw. in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.