3. März 2019 – 8. Sonntag im Jahreskreis C – Evangelium: Lk 6,39-45
 
Ihr lieben Schwestern und ihr Brüder,
der Fasching kommt auch heuer wieder.
Es ist die närrisch-tolle Zeit,
voll Spaß und Jux und Heiterkeit.
Doch ist es auch in jedem Jahr
die Zeit, da viel wird offenbar,
ja, wieder mal ist es die Stund´,
da Narrenmund tut Wahrheit kund;
so manchem fühlt man auf den Zahn,
wie man es nur im Fasching kann.
D´rum bin auch ich heut´ ein Poet,
der für euch hier am Ambo steht,
und der mit Vers und Reim jetzt nun
auslegt das Evangelium.
 
Vom Balken konnten wir heut´ hör´n,
der uns im Auge nicht will stör´n,
weil wir halt sehen oft den Splitter
im Aug´ des Bruders – das ist bitter!
Was wir an ihm gar oft bemängeln,
und ihn dann mahnen oder gängeln
- das fällt uns bei uns selbst nicht auf,
oder wir nehmen´s halt in Kauf.
Für uns´re Fehler sind wir blind,
doch die des ander´n jeder find´t;
den eig´nen Balken sieht man nicht,
obgleich er doch ins Auge sticht;
dafür ist jener Blick ganz klar,
der scheinbar nur macht offenbar
des Bruders Splitter, den man dreist
ihm aus dem Aug´ zieh´n möchte meist.
 
Auch warnt der Herr vor´m blinden Mann,
der keine Gruben sehen kann,
doch will er ander´n Führer sein,
die fallen dann mit ihm hinein
- weil sie auch blind sind und nicht seh´n,
oder nur blind ihm folgen und nachgeh´n,
weil mit viel Charme und Flötenklang
um seinen Finger er sie schlang
und blinde Follower nun hat,
wie´s einst der Rattenfänger tat.
Es geht zwar mutig er voran,
obgleich er doch nichts sehen kann.
Doch ist vielleicht das Herz nur blind,
damit er seinen Weg nicht find´t;
vielleicht verschließt er auch die Augen
vor seinem Mitmensch, und es rauben
sein Hochmut und sein Eigensinn
den Blick auf and´re Menschen ihm.
Ja, letztlich hilft auch keine Brill´,
wenn man partout nicht sehen will.
 
Manch´ blinde Führer – so scheint mir –
bringt uns´re heut´ge Zeit herfür
- schau´n wir nur in die Welt hinaus,
und lassen dabei auch nicht aus
den Blick in uns´re Kirch´ hinein,
wo scheinen viele blind zu sein
- für das, was Menschen von ihr hoffen
- ja, viele Fragen sind hier offen!
 
Geschieden und dann neu getraut
- man hier vergebens oft vertraut,
dass Kirche ist, was predigt sie:
barmherzig selten, oder nie!
 
Und auch wenn viele Laien hoffen,
dass Kirche freier wird und offen,
mehr Gottesvolk statt Hierarchie
- gar mancher glaubt, so kommt es nie!
Und dann natürlich noch das Geld,
das ihr halt oft den Weg verstellt
zu Papst Franziskus´ neuem Stil,
der eine „arme Kirche“ will!
 
Der größte Balken uns´rer Tage,
ja, der ist sicher, ohne Frage,
was nur beschämend wir bekennen
und müssen doch beim Namen nennen:
Der Missbrauch schreit zum Himmel an,
so schlimm, dass man´s nicht glauben kann!
Schier unaussprechlich, niederträchtig,
unverständlich und verächtlich,
was mancher Priester hat getan!
Doch damit fing es oft nur an:
Die Kirche hat geschwiegen oft,
das merkt schon keiner, hat man g´hofft.
Was nicht sein darf, das ist auch nicht;
Darüber besser man nicht spricht.
Und schlimmer noch: Man hat vertuscht,
manch´ Akte, ja, die ist verrutscht;
man deckte Täter und die Tat,
hauptsach´ man weiße Westen hat
- und dies hinauf in höchste Ränge!
Ja, hoffentlich kommt in die Gänge,
was neulich man in Rom beriet,
dass endlich weltweit was geschieht!
 
Den Balken sah die Kirche nicht,
den trug sie lang in ihr´m Gesicht,
der sie entstellt und ließ erblinden
für klerikale Missbrauchssünden!
 
Doch blinde Führer findet man
weltweit, wohin man blicken kann,
weil Balken sie im Auge tragen,
den rauszuholen sie nicht wagen,
dafür sie ander´n Splitter zieh´n,
damit sie selber gut ausseh´n!
 
Zwei davon ja erst dieser Tage
erkundeten die Friedenslage,
zum zweiten Mal, jetzt in Hanoi,
da wollten sie erfinden neu,
was hohe Politik man nennt.
Doch wer die beiden richtig kennt,
dem war von Anfang an schon klar,
dass diese machen niemals wahr
ein Miteinander, frei und gleich,
weil jeder ja sein eig´nes Reich
im Blick nur hat – und das konkret
auf dem privaten Konto steht.
Ob Kim Jong-un aus Nordkorea
oder auch Donald Trump – ein jeder
von diesen beiden scheint mir blind,
sie selber sich die Nächsten sind;
und keine Mauer wird verstecken,
welch´ Balken in ihr´m Auge stecken!
 
Ja, blinde Führer man auch find´t
hier auf diesem Kontinent,
weil Balken sie im Auge tragen,
den rauszuziehen sie nicht wagen,
dafür sie ander´n Splitter zieh´n,
damit sie selber gut ausseh´n!
 
Das Stichwort einfach Brexit heißt,
weil hier Theresa May schlicht weist
den Weg heraus aus der EU
für Großbritannien – welch ein Clou,
weil sie ja selber nicht kann seh´n,
wo diese Reise soll hingeh´n!
Das Parlament, das spielt nicht mit,
ja, sie erhielt schon manchen Tritt.
Die einen woll´n noch nachverhandeln;
vielleicht kann man ja doch noch wandeln,
was man in Brüssel ausgemacht.
Wer hier wohl mal am letzten lacht?
Ob´s hart auf hart kommt im April,
man noch ein Referendum will,
ob man verschiebt den ganzen Schmarrn?
Wir hoffen, dass der ganze Karrn
nicht in die Grube fährt hinein
- weil wir woll´n doch Europa sein,
ein Kontinent von Ost nach West,
wo man einander Freiheit lässt,
wo man frei reisen, handeln kann,
und gleichberechtigt jedermann,
wo Frieden herrscht seit 70 Jahren
- ja, sowas gilt es zu bewahren
trotz aller Blindheit, die man kennt
hier auf unser´m Kontinent
von London bis nach Budapest!
Die Wahl im Mai – der große Test,
ob auch die Menschen alle blind,
oder sie Europäer sind!
 
Manch blinden Führer auch man fand
bei uns im schönen Bayernland,
weil Balken sie im Auge tragen,
den rauszuziehen sie nicht wagen,
dafür sie ander´n Splitter zieh´n,
damit sie selber gut ausseh´n!
 
„Rettet die Bienen!“, rief man auf,
und damit nahm dann seinen Lauf,
dass es bei uns ging ganz hoch her,
und schließlich wusste keiner mehr,
wer bess´re Argumente wählt,
und was am Ende wirklich zählt,
damit die Artenvielfalt bleibt,
die dann man auch ins G´setz rein schreibt.
Naturschutz auf der einen Seite,
und dann die Bauern, das entzweite
letztendlich fast das ganze Land;
trotzdem sich eine Mehrheit fand,
und so die Hürde, zehn Prozent,
wurde geknackt schließlich am End´.
Wie´s weitergeht, das wird man seh´n,
vor allem muss man halt versteh´n,
dass nicht allein die Bauernschaft
nur Arten- und Naturschutz schafft!
 
Ja, Theorie ist schön und gut,
wenn man sie auch beachten tut,
wenn selber man Insekten schützt
und seinen Garten richtig nützt,
wo Strauch und Blume saftig blüht,
wo´s nicht nur nach Feng Shui aussieht,
geschottert und mit Kies bedeckt,
mit Pflastersteinen, wie geleckt.
Auch mag die Biene Rasen selten,
wo englischer Verhältniss´ gelten
- ganz kurz getrimmt und ohne Blüten,
weil flinke Mähroboter wüten!
 
Dazu kommt noch der Flächenfraß,
in unser´m Land – schier ohne Maß –
die Landschaft wird zubetoniert
- und dies oft noch subventioniert!
Gewerbeparks und Industrie,
auch Einkaufsmärkte wie noch nie
mit Parkplatzflächen und mit Straßen,
wo früher noch Insekten saßen!
 
Hier nicht allein der Bauer nur
kann etwas tun für die Natur!
Vielmehr kommt es auch darauf an,
dass jeder selber was tun kann,
wenn er auf sein Verhalten blickt
und dabei bio-logisch tickt,
kauft Obst, Gemüse regional,
am besten auch noch saisonal,
und auch noch „bio“ – denn nur dann
der Bio-Bauer leben kann!
Wer „Bienen“ gab die Unterschrift,
den Artenvielfalt selbst betrifft!
Der darf nicht blind sein, wie es grad
der Herr uns ja gepredigt hat;
der muss am eig´nen Balken zieh´n
und nicht nur auf den Splitter seh´n,
den andere vielleicht im Auge,
wie es uns sagt schon unser Glaube!
 
So kann ein guter Baum man sein,
und bringen gute Früchte ein!
Das gebe uns in Jesu Namen
der gute Vater droben. Amen.
 
© Pfr. Udo Klösel, Regensburg 2019